"Mishka" reviews:
Liechtenstein, Leben | Kultur
Welt des Klangs und des Pulses
[Ingvo Clauder reichte am Sonntag ein Flügel allein für die musikalischen Fjorde nicht aus, in die er mit seinen beiden norwegischen Ensemblekollegen eintauchte. ] TRIESEN - Am Klangfest moderne Musik werden in der Regel durchkomponierte Stücke gespielt. Das zweite Konzert der Saison war insofern aussergewöhnlich: Die Musik des liechtensteinisch- norwegischen Trios pd conception entsteht im und für den Augenblick. Das Klangfest ist hinsichtlich Besucherzahlen nicht verwöhnt, und auch das frei improvisierende Akustik-Elektronik-Duo pd conception mit Ingvo Clauder am Klavier, Terje Evensen am Schlagzeug und Anders Tveit am Rechner hat schon vor sehr wenigen Leuten gespielt. Schade war es trotzdem, dass am Sonntag kaum zahlende Besucher kamen, um dieses aussergewöhnliche Ensemble zu erleben, das aus dem Moment heraus im Aufeinandereingehen und In-die-Klänge-Hineinhören so phantastische musikalische Landschaften erschafft.
Zwei Flügel
Gleich zwei Flügel hatte Clauder nebeneinander aufgebaut: Die Saiten des Young-Chang-Flügels präparierte er mit Plastikfolien, Latexhandschuhen, einer Pappschachtel, einer Gitarrensaite oder einem runden Plastikdeckel, während er den Steinway ausschliesslich konventionell spielte. Aus den Tönen, die der zitternde Plastikdeckel auf den Basssaiten tanzte, und Evensens aneinandergeriebenen Drumsticks entwickelte das Trio den ersten Satz einer minimalistischen Suite. Clauders Hände verharrten oft länger in derselben Position über den Tastaturen, während seine Finger in den wenigen für sie erreichbaren Tasten bewegte, sich kräuselnde Oberflächen kreierten. Tveit verband die von Clauder und Evensen kommenden Klänge mit mitgebrachten und live eingespielten Samples zu einem komplexen Ganzen und steuerte u. a. mit einem Minitamtam weitere Elemente bei. «Wir wissen vorher nie, was wir spielen wollen», erklärte Clauder dem Publikum. Über Musik geredet werde erst nach dem Konzert. Der Augenblick meinte es offenbar gut mit dem Trio. Mit einem zweiten, deutlich kürzeren, aber ebenso inspiriertem Stück, das mit einem mit Paukenschlegeln hingetupften, langsamen Trommelsolo begann, entschwand das Ensemble in die Pause und machte Lust auf mehr. Kein Zutodereiten von Ideen Danach nahm die Musik eine selbst für ihre Erzeuger unverhoffte «Wende ins Pulsische», wie Clauder nach dem ersten Stück verriet. Beim nächsten Stück wurde eine wie «tröpfelnde» Bewegung im Klavier von Tveit mit elektronischem Geplätscher aufgenommen, woraus allmählich etwas unheimlich Schönes, Schwebendes entstand, das die drei abbrachen, ohne es zutode zu reiten. Zu der Begeisterung für die eigene Musik kommt sympathische Bescheidenheit. Es ist, als seien die Klänge immer schon da gewesen und warteten nur darauf, von cd conception gefunden und hörbar gemacht zu werden.
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Interessante Improvisationen von moderner Musik
Das am letzten Sonntag in der Triesner Musikschule veranstaltete «Klangfest moderner Musik» vermittelte interessante und ansprechende zeitgenössische Musik-Improvisationen. Sie wurden mit anhaltendem Beifall verdankt.
Das Konzert war das dritte der diesjährigen, von dem Schlagzeuger und Lehrer der Liechtensteinischen Musikschule, Alfred Achberger, organisierten Konzertreihe in Triesen. Diese Reihe ist eine Koproduktion des Theaters am Kirchplatz, der Liechtensteinischen Musikschule und des von Johannes Uthoff präsidierten Vereins zur Aufführung zeitgenössischer Musik. Franz Welser-Möst, der Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich und Chefdirigent des Cleveland Orchestras, ist der Schirmherr der jungen Reihe. Das gemeinsame Ziel ist das Pflegen und Fördern zeitgenössischer Musik auf professionellem Niveau. Während bei früheren Konzerten dieser Art schriftlich fixierte Kompositionen von Avantgardisten der Moderne gespielt wurden, ging man mit den am Sonntag gezeigten Darbietungen einen großen Schritt vorwärts. Es wurde ausschließlich improvisiert. Das Programm entstand also im und für den Augenblick. Dazu hatte der in Liechtenstein lebende Pianist Ingvo Clauder seinen ehemaligen, aus Norwegen stammenden, bis heute mit ihm verbundenen Studienkollegen, den Schlagzeuger Terje Evensen und den Elektroniker Anders Tveit, auch aus Norwegen, gewonnen. Sie arbeiten seit Jahren unbeirrt und erfolgreich auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik zusammen. (CDs, Konzerte und Fachzeitschriften sprechen für sie.)
Geniale Improvisationen
Angestrahlt von Evelyne Bermanns eindrucksvoller Lichtskulptur, standen auf der Bühne zwei Flügel, ein vielteiliges mittelgroßes Schlagzeug und der Arbeitstisch des Live-Elektronikers. Die drei Künstler traten schlicht und bescheiden auf und gaben sich sogleich mit Leib und Seele dem aus Einfällen, Empfindungen, Wissen und Können gespeisten Improvisieren hin. Das Konzert bestand aus zwei sich deutlich voneinander unterscheidenden Teilen. Während der erste Teil dem Sammeln von Klangelementen galt und jeder Musiker den von einem von ihnen «angeschlagenen Klang» auf seine Weise, an seinem Instrument spielte, entwickelte oder verfremdete, brachte der zweite Teil das gemeinsame Ver- und Bearbeiten jenes Materials. Nachdem der Pianist beispielsweise die Saiten des Flügels angeschlagen oder gezupft hatte, griff der Schlagzeuger das Vorgegebene auf und erzeugte durch Streichen eines Geigenbogens am Rand seines Instruments in ihm erwachende musikalische Gebilde. Was beim Einzelspiel noch zart, zerbrechlich und relativ leise aufstieg, führte durch das gemeinsame Verarbeiten zu volleren Klängen, Kombinationen, musikalischen Einheiten und Melodieansätzen. Der Anteil des Live Elektronikers an der neuen Musik war versteh- und gut erkennbar. Durch Verknüpfen des Klangmaterials oder Erzeugen instrumenteigener Klänge wie auch durch Verändern oder Kombinieren des Ausgangsstoffes beeinflusste er die Klangergebnisse, z.B. die Klangfarben und den Wohllaut. Wahrend sich die Musiker vollauf und offenbar glücklich - dabei Raum und Zeit vergessend - ihren Erfahrungen und ihrer Arbeit hingaben, erlebte das Publikum gebannt und erstaunt die Sprache der Neuen Musik. Auch das Finale der Konzertreihe verspricht Bemerkenswertes: Es findet am Sonntag, den 29. April statt und wird u.a. Kompositionen von Bernstein und Messiaen vermitteln.
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Pd conception Mishka
Dette albumet er PD Conceptions andres utgivelse etter det kritikerroste albumet ”Phrased Silence”. Det er et band som utforsker det fritt improvisatorisk elektroakustiske lydlanskapet. Selv sier de at de fokuserer på form. Formen skal være basis for musikken og ikke nødvendigvis det briljerende individualistiske spillet. Lydbildet er spennende. Her brukes mange alternative perkusjonsmetoder og man kan finne igjen naturlige lyder i så vel slagverk som i piano. Preparert piano, der pianoet fungerer som et perkusivt instrument blir brukt ved flere anledninger. Samtidig kan vi finne linjer som minner om klassiske komponister som Ligeti, men med mer elektronisk fundament. Formen blir som de selv har sagt, stående i sentrum. Melodilinjene sniker seg inn som perler på mellom lydlagene. Plata er flott mikset, med god lyd. Pianisten får stort spillerom, og spiller med samme ynde som Bugge Wesseltoft. I det hele er dette et svært spennende band. Det som kanskje er mest spennende er at den er spilt inn live. Det er fri improvisasjon som gir lytteren en mulighet til å forstå og analysere innholdet. Plata ble spilt inn på Ibsenhuset i Skien og mikset av Audun Kleive. Et flott album for dem som er ute etter et konsept og en sjangerfrihet der de lange linjene får fritt spillerom.
Review by Jan Inge W. Tangen, Jazznytt, Nr 01:2007---
Jenseits des Jazz
CD-Taufe mit dem Trio pd Conception im Theater am Saumarkt
FELDKIRCH - Das liechtensteinisch-norwegische, frei improvisierende Elektro-Akustik-Trio pd
Conception stellte am Freitag im Theater am Saumarkt im Rahmen eines berauschenden Konzerts
seine Zweites, "Mishka" benanntes Album vor. Ingvo Clauder (Klavier), Terje Evensen (Schlag-
zeug) und Anders Tveit (Elektronik) faszinierten mit Improvisation jenseits des Jazz.
Viele Musikfreunden waren nicht gerade gekommen ins Theater am Saumarkt. Der Schlagwerker und Komponist Wolf-
gang Lindner sagte in seiner Begrüssung: "Die, die nicht gekommen sind, sind selber schuld. Ich hoffe, sie verpassen
was." Mit beidem traf Lindner ins Schwarze. Der Triesenberger Pianist und Komponist Ingvo Clauder und der Komponist
und Liveelektroniker Anders Tveit, die zusammen im Januar 2005 am Klangfest in Triesen einen umjubelten Auftritt hat-
ten, erzeugten mit dem Schlagzeuger Terje Evensen in zwei Sets live jene harmonische Einheit von akustischen und
elektronischen Elementen, von direkt gespielter Musik und Samples in weitgehend freier Improvisation, für die das Trio
schon anlässlich seines anlässlich seines Debütalbums "Frased Silence" von den Fachblättern "The Wire" und "Jazzwise"
mit Lob überschüttet worden war.
Klare Strukturen
Die präsentierten Stücke schienen klare strukturiert, mit eindeutig definiertem Anfang und Ende. Zwar ist die Liveimpro- visation das eigentlich Spannende an pd conception, aber es war deutlich zu erkennen, dass dem Auftritt eine intensive Zusammenarbeit vorangegangen war. Tveits teils vorbereitete, teils w‰hrend des Konzerts eingespielte Samples fungier- ten als Bindeglied zwischen den musikalischen Entwicklungslinien am Flügel und am Schlagzeug. Als konventionelles Instrument spielte Tveit gelegentlich, während einiger der vielen sehr ruhigen Momente ein kleines Handtamtam.
Welt fein abgestimmter klänge
Auffallend war die tiefe Innigkeit mit der die drei Musiker bei der Sache waren. Clauder schien ganz in seinem präparier- ten Flügel, in dem er immer wieder stehend mit allerlei Gerät herumhantierte, aufzugehen, w‰hrend Evensen fürmlich mit seinem Schlagzeug verschmolz, wenn er die Becken sachte mit seinen Paukenschlegeln bearbeitete oder mit dem Bogen strich. Das Spiel des Trios war insgesamt von einer frappanten Bereitschaft und Fähigkeit, aufeinander einzuge- hen und gemeinsam eine komplexe Welt fein abgestimmter Klänge hervorzubringen, gekennzeichnet. Pd conception werden im kommenden April am Klangfest zu bewundern sein.
Review by Arno Löffler, Volksblatt, Di, 12.12.2006---
Wie mit Latex Musik entsteht
In der, "Zeitklänge" - Reihe am Saumarkt konnte man konkret punkten.
Feldkirch (VN-Sit) Der Pianist lngvo Clauder, Terje Evensen am Schlagzeug und Anders Tveit am Computer improvisier-
ten in vier grofl angelegten Werken und hinterlieflen einen nachhaltigen Eindruck. Von Beginn an war klar, dass die Mu-
siker der "pd conception" hervorragende Instrumentalisten sind und über kompositorische Entwicklungsprozesse genau
Bescheid wissen. So entwickelte sich in den Improvisationen ein stringenter und gut nachvollziehbarer musikalischer
Fluss, der durch die Ausgangsideen begründet wurde.
Computersounds
Die Zurückhaltung der Musiker im Einsatz ihrer Mittel sensibilisierte die Ohren für kleine Veränderungen und Anspielun- gen innerhalb von gut ausbalancierten Klangfarbenmustern. Vor allem in der zweiten Improvisation zeigte sich die Meisterschaft, denn ¸ber einem flirrenden Klanggrund musizierten der Pianist und der Schlagzeuger in enger Korre- spondenz miteinander, die Musik verdichtete sich zunehmend, entwickelte einen dynamischen Sog und entfaltete sich in einer Reihe von Klangzuständen. Mit Latexhandschuhen agierte Ingvo Clauder im dritten Stück, in dem die Annäherungen an die Computersounds von Anders Tveit im Mittelpunkt standen. Auf diese Weise ergab sich ein Spiel mit Klangqualitäten, die sich zeitweise an die Samples- und die elektronisch gefertigten Klänge annäherten, um in weiterer Folge einen Kontrapunkt zu diesen zu bilden. Die letzte Improvisation zeichnete sich durch einen erzählenden Duktus aus. Mit bilderreichen Klängen und bal- ladenhaften Mustern wurde die Fantasie der Zuhürer angeregt.
Review by Silvia Thurner , Vorarlberger Nachrichten Mo, 11.12.2006---
"Phrased Silence" reviews:
"Pd conception is the work of Ingvo Clauder (piano) and Terje Evensen (percussion), a German/Norwegian duo that has existed since 2001. Clauder is a classically trained pianist who also plays saxophone, Evensen's background is jazz. But Phrased Silence, a sequence of nine short pieces, is entirely improvised and doesn't fit into any particular genre of music. Some of Clauder's piano strings have been 'prepared' - mostly muted - to provide a colourful array of rattles, thunks and gamelan-like bongs. Clauder's playing is delicate and spacious, and often he worries away at a melodic or rhythmic figure until every valuable facet of it has been revealed. Evensen is a sensitive player, and his contributions subtly reinforce some of the rhythmic aspects of the music without ever slipping into a flat-out groove. Occasionally, such as on "uhnunuu", satie-like fragments of limpid melody emerge, which are teased and gently pummelled into shape.
The first CD works extremely well on its own, but the decision to have Anders Tveit recompose these pieces electroacoustically was a good one. Tveit's interpretation of "shnkfgjnskihs", the last track on CD one and the first on CD two, makes for a completely different listening experience, and it's a strong composition on its own right. Occasionally, fragments of the source material peep through (such as on "uhnkunkh"), but Tveit's approach is far from reverential and he isn't afraid to get his hands dirty."
Review by Brian Marley, The Wire---
"This double cd by an adventurous twentysomthing Norwegian duo/trio could just possibly convince you that the future doesn't necessarily belong to Jamie Cullum. Pianist Clauder and percussionist Evensen recorded the first disc as a series of one-take improvisations in London. Clauder is clearly an aficionado of the prepared or detuned piano; this could be John Cage's prepared piano mixed with Cecil Taylor, while Evensen, a former student of the mighty Audun Kleive clearly relishes exploring the extremities of his kit as well as playing in time. These nine pieces, amusingly titled be someone just diddling with a computer keyboard, are a refreshing reminder that young musicians are still exploring new languages in jazz. It's an album that wouldn't sound amiss on ECM.
The second disc consists of re-compositions of the pieces recorded on the first disc, by Evensen and boffin Tveit in a studio in Oslo. All three are also working in electronic music as well as free jazz, and the re-compositions are virtually unrecognisable from the acoustic versions. At times the spooky washes of sound are reminiscent of Gavin Bryars' 'The Sinking of the Titanic' at others the tape-generated babble of Cage and Subotnick, maybe even the great Karlheinz and his roaring 'Telemusik'. But these are young turks working with new technology and new approaches and probably taking a few ideas from radical turntablists like martin Tetreault. The before/after effect of the acoustic set followed by the electronic treatments is fascinating, and certain to rinse out your ears. And if you ever hid behind the couch from the sound effects to Forbidden Planet, just watch out for disc two."
Review by John Gill, Jazzwise---
"Having heard the original (CD1), I was immediately placed in a positive mood towards the recording - an attitude that grew and grew as I was listening. It is great fun to give in to such an unorthodox and honest musicianship. This is not exactly an attempt to show off musically, but rather a sensitive, deep and simple presentation, that makes you listen and think. Track 4, in the larger context is a filigree work where art and a 'just-so-ness' reach out to each other without engaging in a hierarchical struggle. Here they almost become synonyms. In your music I can see a lot of nature, a sovereign channelling, and a spiritualised joy of playing. Your artistic style radiates something akin to the differentiated self-understanding that can be found in the visual art of Joseph Beuyes. The same applies to a large extent to Terje Evensen, as he makes use of it in an aware and sensible way through his own world of ideas. In this way the CD provides the listener with an experience. They are affected sublimely, without pathos or sentimentality, for example by blowing new life into the use of the brushes.
The beginning of the Computer Performance sits with me and reminds me of John Cage - with the sound of the bells in the basilica of Kevelaer. Nevertheless, it is intriguing that one is unable to decide where the source of the sound is located. From the mechanical, synthesised electro-acoustic transparity and diversity to coincidental /accidental sounds. The listener enters fictive cavities, three-dimensional buildings of sound, divided into front and back rooms. Occasionally the sounds gave me associations to the ghostlike, ciphered and sinister noises of a subway line.
In my opinion, the positive result of this is the awareness that the tones and sounds do not allow themselves to be categorized anymore. The tones ring like flowerboxes of sounds, sounds that provide nourishment for the tones and both are equally attractive to the senses.
Since Anders Tveits' Re-composition the matter of beauty versus the beast has become history, i.e. it is irrelevant to modern man. Anyone familiar with Kurt Schwitter's classic "Ursonate" (app. 1923) should have no problem with absorbing Anders Tveit's music openly and neutrally. Although created with a new and unusual means of communication, it is (being a selective organism) easy to understand, negotiate and make sense of its internal logic in the transfer from the musically traditional form."
Review by Hans-Udo Kreuels---
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